
Alles vergessen
- Datum & Uhrzeit:15.11.2026 11:00
Vorschau
Alles vergessen
Veranstaltungsbeschreibung
Die Ausstellung Alles vergessen im Jüdischen Museum Hohenems beschäftigt sich aus kulturhistorischer Perspektive mit den unterschiedlichen Bedeutungsebenen des Vergessens und thematisiert dabei individuelle, kulturelle und gesellschaftliche Auseinandersetzungen zwischen Geschichte und Gegenwart.
Im Judentum hat die Erinnerung an biblische Ereignisse eine zentrale Stellung an fast allen Feiertagen und religiösen Ritualen. Gleichzeitig gibt es aber auch die Aufforderung zu vergessen. Im Hebräischen reimen sich die Wörter lischkoach – vergessen – und koach, das sowohl Macht als auch Stärke bedeutet. Darin spiegelt sich die doppelte Natur des Vergessens. Museen sind mit dem Anspruch verbunden, zu bewahren und zu erinnern. Doch wie gehen (Jüdische) Museen mit dem Vergessen um? Was wird gesammelt, was entsorgt? Was wird ausgestellt, und was nicht einmal inventarisiert?
Nach 1945 wollten viele Österreicher:innen vergessen was geschehen war und woran sie sich beteiligt hatten. Diese „Vergessenskultur“ wurde erst mit der Waldheim-Affäre 1986 aufgebrochen. Die damals beginnende Erforschung der Rolle Österreichs im Nationalsozialismus, des Erinnerns an die Opfer sowie die Forderung nach Verantwortung hat vieles in Gang gesetzt und dem Vergessen entrissen. Inzwischen kann jedoch der Aufschwung einer neuen Bewegung beobachtet werden, welche die Geschichte hinter sich lassen will und Erinnerungskulturen unterschiedlicher Gewalterfahrungen gegeneinander ausspielt, statt sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Daher ist es wichtig, über Mechanismen des Vergessens zu sprechen und zu fragen, was verdrängt und überschrieben, was übersehen und was bewusst ausgelöscht wird. Die Ausstellung lädt dazu ein, Vergessen als Teil einer komplexen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart zu begreifen.
Was vergessen wir? Was dürfen wir nicht vergessen? Und was müssen wir vielleicht vergessen? Wieviel Vergessen steckt in jedem Erinnern?
Teilnehmende Künstler:innen
Arnold Dreyblatt, Dani Gal, Brigitte Kowanz, Maya Schweizer, Sigrid Sigurdsson, William Utermohlen, Gali Yudilevich, Patrick Zachmann
Quelle: Eventfrog




